
Michael Schwienbacher kommt aus der klassischen Kapitalismus-Welt: M&A, Restrukturierung, hochvolumige Finanzierungen. Er kennt die Logik, in der alle gegeneinander kämpfen. „Geiz ist geil" und „The winner takes it all" haben uns dahin gebracht, wo wir heute sind. In einer Welt mit wachsender Machtkonzentration, Abschottung und Populismus brauche es, so Schwienbacher, eine andere Wirtschaftslogik. Seine Antwort: Business-Ecosystems und symbiotisches Wirtschaften nach dem Vorbild der Natur. Er nennt es Symworking.
„Ich glaube, dass wir durch eine Ecosystem-Ökonomie einen Mehrwert schaffen können. Das ist Symworking - symbiotisch wirtschaften am Vorbild der Natur."
Was ein Business-Ecosystem wirklich ist
Ein Business-Ecosystem ist kein Netzwerk, kein Cluster, kein Branchenverband. Der entscheidende Unterschied: Im Ecosystem sind Unternehmen strukturell miteinander verwoben. Wer im System wächst, stärkt die anderen.
Ein Branchenökosystem umfasst etwa 50 bis 100 Unternehmen, ein regionales 250 bis 500. Sie teilen Infrastruktur, Daten, Einkauf und Vertrieb und arbeiten gemeinsam auf eine geteilte Vision hin.
Das Prinzip veranschaulicht Schwienbacher an einem konkreten Bild: eine gemeinsam genutzte Küche in einem Technopark. Alle zahlen nur einen Anteil. Mit dem gewonnenen Budget kauft man qualitativ bessere Lebensmittel. Die Menschen sind seltener krank, gehen lieber zur Arbeit, die Rendite steigt. Ein Mehrwertkreislauf entsteht – und dasselbe Prinzip lässt sich auf Daten, Vertrieb oder Innovationskapazität übertragen.
Der entscheidende Vorteil für den Mittelstand
Für den Mittelstand ist das Business-Ecosystem besonders relevant, weil es direkt auf reale Wertschöpfung zielt. Was ein einzelnes Familienunternehmen allein nicht stemmen kann, funktioniert im strukturierten Verbund: Lieferketten stabilisieren, Einkaufskosten senken, neue Märkte erschließen.
„Man hat die Vielfalt der Familienunternehmen, aber die Kraft eines Großkonzerns."
Das Familienunternehmen entscheidet selbst, KI-gestützt und eigenverantwortlich. Die Datenökonomie, IT-Struktur und volle Lieferkettentransparenz, die sonst nur Großkonzernen zugänglich sind, werden im Verbund geteilt. Symtronics zeigt dieses Modell heute schon in der Praxis.
Schwienbachers Prognose: In zehn Jahren wird kein Unternehmen mehr das Risiko eingehen wollen, mit Einzelkämpfern ohne Transparenz und Skaleneffekte zu arbeiten.
Vertrauen als Grundlage
Was das Ecosystem trägt, ist Vertrauen. Und Vertrauen braucht nach Schwienbacher Ethik als Grundlage sowie konkrete Leitwerte: Augenhöhe, Offenheit, Verlässlichkeit. Wer diese Werte lebt, schafft eine Fehlerkultur, die Effizienz und echtes Füreinander möglich macht.
„Vertrauen ist die Währung der Zukunft - nicht Daten."
Wirkungsmessung sieht er als offenes Entwicklungsfeld: Wie nützlich ist ein System für den Menschen, wie nützlich ist der Mensch für das System? Digitale und soziale Produktpässe könnten dabei eine Grundlage bilden.
Sprache als Startpunkt
Transformation beginnt mit Sprache, davon ist Schwienbacher überzeugt. Das zeigt sich im Detail: „Wir unterstützen uns gegenseitig" trägt das Wort „gegen" bereits in sich. „Wir unterstützen uns wechselseitig" ist etwas grundlegend anderes. Diese Präzision ist kein Zufall. Sie ist der Anfang einer anderen, füreinander ausgerichteten Wirtschaft.
beyond economy als Eintrittstor
Um dieses Denken erlebbar zu machen, haben Michael Schwienbacher und das Sym-Team das beyond economy Movement aufgebaut. Das Festival schafft Räume, in denen Unternehmen aufeinandertreffen, die Wirtschaft neu denken wollen. Für viele ist es ein Einstieg ins Ecosystem-Denken.
Die Transformation, so Schwienbacher, verläuft vom Gegeneinander über das Nebeneinander und das Miteinander hin zum Füreinander. Der Weg ist lang - und er hat bereits begonnen.
Michael Schwienbacher ist Ecosystem-Entwickler, Co-Founder von Sym und Co-Initiator des beyond economy Movement. Dieser Beitrag basiert auf einem Interview, das ursprünglich in der Publikation „Brücken in die Next Economy" (The Future:Project, 2026) erschienen ist, und wird mit Genehmigung für den beyond economy Blog aufbereitet.