
Noch funktionieren sie, die klassischen Wirtschaftsformen der Old Economy und der New Economy – zumindest formal. Doch der Druck wächst stetig: ökologische Übernutzung, geopolitische Instabilität, schwindendes Vertrauen in Institutionen, eine demografische Transformation, die etablierte Modelle des Wirtschaftens grundlegend infrage stellt. Das Versprechen unserer heutigen Wirtschaft stößt an seine Grenzen – und mit ihm ein Paradigma, das über ein Jahrhundert lang als alternativlos galt.

Das Wichtigste in Kürze:
Wirtschaft, Wachstum, Wohlstand?
Wirtschaft ist gleich Wachstum ist gleich Wohlstand. Diese Gleichung hat die industrielle Moderne geprägt und vielen Menschen Wohlstand ermöglicht. Gleichzeitig hat sie die ökologischen, sozialen und institutionellen Fundamente untergraben, auf denen dieser Wohlstand eigentlich ruht. Wohlstand für viele, ja – aber nicht für alle, und auf Kosten vieler.
Die Wirtschaft von heute ist gekennzeichnet durch das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Narrative. Auf der einen Seite die Forderung, „mehr zu arbeiten" und scheinbare Leistungshindernisse wie Teilzeit oder Homeoffice abzubauen. Auf der anderen der Ruf nach weniger Vorschriften, weniger Grenzen, mehr Tempo. Dazwischen das Mantra von Produktivität, Effizienz, Digitalisierung, KI. Doch genau hier liegt eine der größten Hürden auf dem Weg in eine neue Wirtschaftsära: eine Krise der Kognition und der Narrative. Um die Zukunft der Wirtschaft zu gestalten, müssen wir sie uns vorstellen können.
Wenn Stillstand wie Bedrohung wirkt
Es fällt schwer, sich eine Wirtschaft vorzustellen, die nicht wachsen will, soll und muss. Steigende Umsatzzahlen, Aktienkurse, BIP-Kurven – wir sind so daran gewöhnt, dass jede Abflachung wie eine Bedrohung wirkt. Boomt nicht alles, scheinen sich Wohlstandsgesellschaften von innen heraus zu zerlegen: politisch, kulturell, mental, emotional. Verteilungskämpfe beginnen, alte Ideologien kehren zurück. Die Ökonomie ist zu einer Art Zwangssystem geworden, das unser Leben fest im Griff hat.
Was fehlt, sind neue kollektive Zukunftsbilder – neue Vorstellungen davon, was Wachstum und Wohlstand innerhalb planetarer und sozialer Grenzen bedeuten können.
Was ist die Next Economy?
The Future:Project hat gemeinsam mit Expert:innen nach neuen Narrativen für die Zukunft der Wirtschaft gesucht. Die Ergebnisse fasst der Zukunftsforschungs-Thinktank in seiner Metastudie „Next Economy – Brücken in die Zukunft der Wirtschaft" zusammen:
„Die Next Economy beschreibt einen offenen Entwicklungsrahmen für die vielfältigen Ökonomien von morgen, die aktiv zur Lösung gesellschaftlicher, ökologischer und technologischer Herausforderungen beitragen. Sie ist kein festgelegter Endzustand, sondern ein Perspektivwechsel: weg von einer Wirtschaft, die den Status quo lediglich verwaltet, hin zu einer Wirtschaft, die transformativen Fortschritt sucht und Zukunft aktiv gestaltet. Zu ihren elementaren Merkmalen gehören Kooperation, Resilienz, Wirksamkeit, Humandigitalität und Regeneration.“
Was Old und New Economy trotz aller Unterschiede verbindet, ist das Wachstumsparadigma – linear oder exponentiell, aber immer gemessen an finanziellem Output, Stückzahlen, Volumen. Im Übergang zur Next Economy muss dieses Paradigma erweitert werden: weg vom rein quantitativen Wachstumsdenken, hin zu einem Entwicklungsparadigma, das qualitativ, regenerativ und zukunftsgerichtet ist. Es geht nicht mehr darum, Volumen zu maximieren oder auf Kosten von morgen zu leben, sondern um Regenerationsfähigkeit auf systemischer Ebene – in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik gleichermaßen.
Die Next Economy ist Aushandlungsraum statt Masterplan
Die Next Economy ist kein fertiger Bauplan, sondern ein dynamischer Aushandlungsraum. Sie entsteht zwischen Effizienz und Resilienz, zwischen Wachstum und Regeneration, zwischen globaler Skalierung und lokaler Verankerung, zwischen technologischem Fortschritt und sozialer Kohärenz. Sie wird nicht aus einem großen Entwurf entstehen, sondern aus vielen kleinen Schritten auf den Pfaden des transformativen Fortschritts – Pfade, die mal parallel verlaufen, mal voneinander abweichen oder sich kreuzen. Wohin sie führen, lässt sich heute nur erahnen, nicht exakt bestimmen. Wie Brücken, die durch den Nebel der Omnikrise hindurch in die Zukunft führen.
Acht Wegweiser durch den Nebel
Die Konturen dieser Brücken werden bereits sichtbar – entlang acht zentraler Spannungsfelder:
Die Wirtschaft von morgen zeigt sich schon heute
Niemand kann heute exakt vorhersagen, wohin diese acht Pfade führen und wie die Wirtschaft der Zukunft konkret aussehen wird. Aber ihre Richtung ist erkennbar – weg von der Verwaltung des Status quo, hin zur aktiven Gestaltung von Zukunft. Die Next Economy verlangt keinen großen Wurf, sondern viele mutige Schritte gleichzeitig. Wer heute beginnt, entlang dieser Spannungsfelder zu denken und zu handeln, geht mit über die Brücken – dorthin, wo die Konturen der Wirtschaft von morgen bereits langsam sichtbar werden.
Wie diese Wirtschaft aussehen kann, untersuchen wir auch gemeinsam mit beyond economy im Rahmen der Vision Agenda 2040.
Diese Analyse basiert auf der Metastudie „Next Economy – Brücken in die Zukunft der Wirtschaft“ von The Future:Project (2026).